Warum ist Stillen so gut für mein Baby?

Zusammensetzung von Muttermilch

Die Zusammensetzung der Muttermilch ist nicht konstant: Sie verändert sich ständig und ist vom Verlauf der Stillmahlzeit, von der Tageszeit, von der Dauer einer Stillmahlzeit sowie vom Zustand der Mutter abhängig.

Muttermilch lässt sich in drei Phasen unterscheiden: Kolostrum, Übergangsmilch und reife Muttermilch.

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Die Muttermilch besteht aus Nährstoffen wie Fett, Eiweiß, Kohlenhydrate und einer Vielzahl an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen. Die sekretorischen Zellen in den Alveolen der Brust verwandeln Fett, Eiweiße und Kohlenhydrate in Milch.

Die Muttermilch ist genau auf den Bedarf des Babys abgestimmt: Zu Beginn einer Stillmahlzeit schwankt vor allem der Fettgehalt, d.h. am Anfang liegen ein niedriger und später ein höherer Fettgehalt vor. Im Verlauf des Stillens nimmt der Fettanteil kontinuierlich zu. Der Laktosegehalt in der Muttermilch bleibt unverändert.

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Phase 1: Das Kolostrum - auch Anfangsmilch, Vormilch

Das Kolostrum (lat. Colostrum) ist die erste Nahrung für das Baby. Es wird während der letzten Monate der Schwangerschaft und unmittelbar nach der Geburt in den Brüsten produziert.

Das Kolostrum ist eine gelbe, cremige, dickflüssige Milch, sehr leicht verdaulich und wegen des hohen Gehaltes an Immunabwehrstoffen besonders wertvoll.

Im Vergleich zur reifen Milch enthält es mehr Proteine z.B. Antikörper, weniger Fett und weniger Zucker, Mineralien wie Zink, Vitamine wie Vitamin A, E, Vitamine aus dem B-Komplex und viele Immunglobuline und IgA.

IgA ist zu 80 % für die immunologische Abwehr zuständig und macht 50 % des Gesamteiweißes in der Muttermilch aus. Zusammen mit den anderen Immunfaktoren schützen sie das Neugeborene vor Infektionen und Krankheiten.

Das Kolostrum hilft dem Baby, den Verdauungstrakt vom dem ersten grünlich schwarzen Stuhl (Säuglingspech) zu reinigen, der sich vor der Geburt im Darm angesammelt hat.

Wenn das Baby Kolostrum trinkt, werden auf diese Weise die milchproduzierenden Drüsen der Mutter und der Milchflussreflex stimuliertsowiedie Organe des Kindes für die Verdauung vorbereitet. Das schützt das Kind vor unerwünschten Bakterien und Organismen.

Je häufiger Sie das Baby anlegen und stillen, desto schneller wird die Übergangsmilch gebildet. Der Übergang zur reifen Milch dauert in etwa bis zu zwei Wochen nach der Geburt.

 

Phase 2: Übergangsmilch

Die Übergangsmilch ist wässriger und schimmert blau-weiß. Sie enthält weniger Eiweiß, dafür mehr Kohlenhydrate und Fett.

 

Phase 3: Die reife Muttermilch

Die reife Muttermilch ist weiß oder bläulich-weiß und sehr reich an Eiweiß (ca. 1,2 %), Wasser, ungesättigten Fettsäuren, Vitaminen und Folsäure. Die wässrige Vormilch löscht den Durst, die Nachmilch mit erhöhtem Fett- und Proteinanteil soll den Hunger des Babys stillen

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Muttermilch ist reich an  Vitaminen, Abwehr-, Immun- und Schutzstoffen, die das Baby vor Krankheitserregern und Allergien schützen © Okea - Fotolia.com

Wasser

Muttermilch besteht zu 87% aus Wasser, in dem alle anderen Stoffe enthalten bzw. gelöst sind. Aus diesem Grund wirkt die Muttermilch durstlöschend. Am Anfang der Stillzeit ist Muttermilch wässriger, am Ende enthält sie einen höheren Fettgehalt, deswegen sollte das Kind so lange an einer Brust trinken, bis sein Hunger gestillt ist.

Wenn das Baby nur kurz trinkt, wird nur der Durst gelöscht. Bei großer Hitze empfiehlt sich, das Kind öfter anzulegen, damit es mit ausreichend Flüssigkeit versorgt wird.

Es ist von Zufüttern mit Tee oder Getränken abzuraten, da sie den Stillrhythmus stören.

Eiweiß (Proteine)

Die Muttermilch enthält eine sehr spezifische Eiweißzusammensetzung (Proteine). Manche Proteine funktionieren als Enzyme und andere transportieren Mineralstoffe. Die wichtigsten Funktionen der Proteine bestehen darin, dass sie zuAminosäuren abgebaut werden und dieschützenden Antikörper gegen Infektionen/Allergien in der Muttermilch darstellen.

1) Nahrungseiweiße in der Muttermilch sind z.B. dasKasein, das Laktalbumin und das Laktoglobulin. Die Konzentration der Proteine ist so bemessen, dass sie leicht verdaulich sind und die Nieren des Babys nicht belasten.

  • Muttermilch kennzeichnet sich durch ein spezifisches Verhältnis von Kasein zu Lactalbumin, nämlich 0,7:1. (Vergleich Kuhmilch: 3:1).
  • Kuhmilch enthält ca. dreimal so viele Proteine (z.B. Kasein) und ist dadurch schwerer verdaulich.
  • Bei der Herstellung von Babynahrung wird Kasein leichter verdaulich verarbeitet, trotzdem bleibt es als Quark etwa vier Stunden im Organismus des Babys. Man merkt den Unterschied am Stuhlgang: der eines gestillten Brustbabys ist flüssig und senffarben, während ein Flaschenkind einen dunkleren bzw. härteren Stuhl hat.
  • Da das Kasein in der Muttermilch einen niedrigen Anteil hat, kommt es bei vollgestillten Kindern viel seltener zur Verstopfung. Die Muttermilch enthält proportional mehr vom Protein Laktalbumin, das leichter und schneller abgebaut und aufgenommen wird. Aus diesem Grund werden gestillte Kinder schneller hungrig.

2) Enzyme: Lysozym unterstützt die Zerstörung der Zellwand schädlicher Bakterien, sodass diese sich auflösen (Lysis). Das Enzym fördert außerdem das Wachstum von Milchsäurebakterien im Darm.

3) Immunoglobuline (IgA) schützen das Baby vor Bakterien, Infektionen und Viren wie z.B. E.coli, Rotavirus oder dem Poliovirus.

4) Andere Proteine: Die Funktion vieler Proteine in der Muttermilch ist nicht oder nur teilweise geklärt. Laktoferrin beispielsweise sorgt für eine effektive Eisenaufnahme und verhindert durch seine Eisenbindung die Vermehrung vorhandener Bakterien. Muttermilch ist auch reich an freien Aminosäuren, z.B. Taurin, das bei Neugeborenen den Aufbau des Gehirns, der Leber und der Netzhaut des Auges beeinflusst.  

Durchschnittlich enthält Muttermilch ca. 4 % Fett. Der Fettgehalt schwankt im Verlauf der Stillmahlzeiten. Ein Neugeborenes erhält pro Tag und Kilogramm Körpergewicht ca. 5 g Fett durch die Muttermilch. Fett deckt damit zu 50% den Energiebedarf des Babys.

Muttermilchfett besteht hauptsächlich aus Triglyzeriden. Die fettabbauenden Enzyme in der Muttermilch heißen Lipasen und sie fördern die Aufnahme von Fett.

Fett enthält einen hohen Anteil von ungesättigten Fettsäuren, die die Aufnahme von Kalzium (wichtig für das Wachstum von Knochen und Zähnen) und die Entwicklung von Nervenzellen unterstützen. Deswegen wird es vom Baby schnell und leicht aufgenommen. Ein Kind benötigt für die Muttermilch 2 Stunden, für Kuhmilch dagegen 4 Stunden Verdauungszeit.

Kohlenhydrate (Laktose)

In der Muttermilch ist die Laktose das wichtigste Kohlenhydrat, das schnell verfügbare Energie liefert. Die Milch aller Säugetiere enthält Zucker in Form von Laktose, wobei in der Muttermilch fast zweimal so viel vorhanden ist, wie in Kuhmilch.

Im Unterschied zum Fett ist der Laktosegehalt weitgehend konstant. Ein Teil von der Laktose fördert das Wachstum von Laktobazillen, die die Babys vor Durchfall schützen. Die Laktobazillen bestimmen auch den Unterschied im Geruch des Stuhls: beim vollgestillten Kind riecht dieser süß und beim Flaschenkind dagegen intensiver und faulig.

Da Kuhmilch weniger Zucker enthält als Muttermilch, werden in Babynahrung häufig andere Zuckerarten wie normaler Zucker oder Fruchtzucker hinzugefügt.

Vitamine

Wenn sich die Mutter gut und gesund ernährt, bekommt das Baby alle Vitamine, die es braucht genau im richtigen Verhältnis.

  • Vitamin A: Meistens reicht die Menge an Vitamin A in der Muttermilch für den Bedarf des Kindes völlig aus. Nur wenn die Mutter Vitamin-A-Mangel hat, kommt die Muttermilch zu kurz.
  • Vitamin B (Thiamin): Nur wenn die Mutter Vitamin-B-Mangel hat, kann man bei vollgestillten Kindern eine Mangelerscheinung nachweisen. Zur Therapie bekommt das Baby zusätzliches Thiamin.
  • Vitamin B (Cobalamin): Hier ist es möglich, dass Probleme auftreten, wenn die Mutter sich vegan (d.h. ohne Fleisch, Fisch, Eier und Milch) ernährt hat, ohne zusätzlich Vitamin B12 zu sich zu nehmen. Dann ist die Vitaminkonzentration in der Muttermilch in der Regel unzureichend.
  • Vitamin D: Muttermilch enthält eine niedrige Vitamin-D-Konzentration, trotzdem wird das Vitamin sehr gut aufgenommen. Neuere Untersuchungen haben gezeigt, dass Vitamin D in der Muttermilch auch wasserlöslich ist. Ein paar Minuten Sonnenlicht jeden Tag reichen zudem aus, damit der Körper ausreichend Vitamin D herstellen kann.
  • Vitamin K: Dieses Vitamin ist für die Blutgerinnung zuständig. Die Muttermilch enthält im Unterschied zur Kuhmilch wenig Vitamin K, deswegen wurden in den letzten Jahrzenten zunehmend Blutungen bei vollgestillten Kindern festgestellt. Nimmt die Mutter zusätzliches Vitamin K, steigt die Konzentration auch in der Muttermilch. In jedem Fall muss man bei vollgestillten Kindern Zeichen von Blutungen an Nabel, Haut und Nase beobachten.

Mineralien und Spurelemente

Der Mineralstoffgehalt in der Muttermilch hängt von der Ernährung der Mutter ab.

  • Natrium und Kalium spielen eine wichtige Rolle für das Flüssigkeitsgewicht im Körper.
  • Eisen: Babys nehmen in den letzten Monaten Eisen von ihren Müttern auf und haben bei der Geburt einen Vorrat in ihrer Leber, der bis zum 6. Monat völlig ausreicht. Diese Reserve wird durch das Eisen in der Muttermilch ergänzt. Gestillte Kinder können generell Eisen besser aufnehmen, weil ihnen größere Mengen von Laktoferrin zur Verfügung stehen.
  • Muttermilch enthält auch weniger Kupfer, Zink, Jod und Selen. Sie werden aber so gut aufgenommen, dass die geringen Mengen ausreichen.
Quellen:
Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen (AFS) (1995): Stillen und Stillprobleme. Ferdinand Enke Verlag Stuttgart.
Balaskas, Janet (1997): Schwangerschaft und Geburt. Der große TRIAS-Ratgeber. Trias Verlag Stuttgart.
Schweitzer, Dora (2012):Stillen: Ihre Stillberatung für zu Hause. Mütter berichten: Das hat mir geholfen.
Stiefel, Andrea & Geist, Christine & Harder, Ulrike (2013): Hebammenkunde. Lehrbuch für Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Beruf. Hippokrates Verlag in MVS Medizin Verlage Stuttgart