Tipps zur Behandlung von Flach- und Hohlwarzen

Erfolgreich mit Flach- oder Hohlwarzen stillen

Etwa 7 % bis 10 % aller Frauen haben Flach- oder Hohlwarzen. Diese Brustwarzenform muss kein Hindernis für eine glückliche Stillbeziehung darstellen. Frauen mit diesen Warzen brauchen besondere Unterstützung. In diesem Fall sind ein korrektes Anlegen und ein gutes Stillmanagement entscheidend für den Stillerfolg.

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Bei Flach- und Hohlwarzen sind das korrekte Anlegen und das Saugen des Babys entscheidend für den Stillerfolg © SENTELLO - Fotolia.com

 

Flach- und Hohlwarzen

Hohl- und Flachwarzen entwickeln sich während der Pubertät oder sind angeboren.

Der Grund für die Entstehung von Hohlwarzen sind häufig verkürzte Milchgänge des Brustgewebes, die zu Verklebungen führen und die Brustwarzen nach innen ziehen können. Eingezogene Brustwarzen, die unbehandelt bleiben, können sich zum Stillproblem entwickeln, weil das Baby beim Trinken die Brustwarze nicht richtig mit seinem Mund aufnehmen bzw. greifen kann.

Die Brustwarzen sind bei jeder Frau unterschiedlich geformt, auch bei Flach- und Hohlwarzen:

  • Flachwarzen charakterisieren sich dadurch, dass sie sich nicht über das Niveau der Areola erheben.
  • Hohlwarzen  sind in die Areola eingestülpt oder eingezogen.

Diese Brustwarzenformen können beim Stillen des Babys manchmal problematisch sein. Einige Neugeborene haben jedoch keine Probleme mit dem Erfassen von Flach- oder Hohlwarzen.

Die Hebamme kann bereits in der Schwangerschaft überprüfen, z.B. durch Druck auf die Mamille, ob die Warzen sich richtig aufrichten können. Können sich beide oder eine Brustwarze nicht nach außen aufrichten, sind wahrscheinlich die Michgänge zu kurz.

 

Wie unterscheidet man eine „normale“ von einer „flachen“ Brustwarze?

Das können Sie zu Hause auch selbst überprüfen. Drücken Sie Daumen und Zeigefinger sanft auf den Rand des Warzenhofes. Die „normale“ Brustwarze bleibt hervorstehend, die Flachwarze, „schlupft“ dabei zurück. Bei etwa 10 % der Frauen kommen Flachwarzen vor.

 

Stillen mit Flach- oder Hohlwarzen

Der Stillerfolg bei flachen Warzen hängt davon ab, ob die Brust im Bereich der Mamille weich genug ist, damit das Baby viel Brustgewebe mit dem Mund aufnehmen kann. Um das Stillen problemlos zu genießen, muss die weite Öffnung des Mundes des Babys unterstützt und gefördert werden.

Bei Saug- und Anlegeproblemen kann man z.B. Brusthütchen wie TULIPS verwenden, die zugleich vor wunden und gereizten Brustwarzen schützen und die Schmerzen beim Stillen lindern können. Der Vorteil der Tulips liegt darin, dass das Baby den mütterlichen Geruch während der Stillzeit wahrnehmen kann und neue Verletzungen vermieden werden.

 

Stilltipps für Flachwarzen

Tipp 1: Vor dem Anlegen drücken Sie einige Tropfen Muttermilch aus der Brust. Der Geruch der Milch kann die Motivation des Babys steigern.

Tipp 2: Wenn Sie stillen wollen und flache Brustwarzen haben, ist eine andere Möglichkeit z.B. die Brustwarze vor dem Anlegen durch Stimulation zur Aufrichtung zu bringen und diese dem Kind so anzubieten. Drücken Sie sanft mit zwei Fingern auf den Warzenhof, damit die Brustwarze leicht hervortritt.

Tipp 3: Wenn Sie Schwierigkeiten beim Anlegen des Babys haben, können Sie die Brustwarze durch Abpumpen mit einer elektrischen Pumpe vor dem Anlegen stimulieren bzw. vorbereiten. So wird die Brustwarze sanft hervorgezogen und das Baby kann leichter trinken.

Tipp 4: Bei Flach- und Hohlwarzen ist es empfohlen auf Sauger und Schnuller zu verzichten, da beim Baby leichter eine Saugverirrung auftreten kann.

 

Behandlung von Flach- und Hohlwarzen

 

Brustschilder oder Brustwarzenformer

Eine Möglichkeit, Hohl- und Flachwarzen zu behandeln, sind Brustschilder oder Brustwarzenformer. Sie bestehen aus zwei übereinander liegenden, durchsichtigen Plexiglasschalen von etwa 10 cm Durchmesser. Die Schale, die auf der Brust liegt hat ein kreisförmiges Loch für die Brustwarze und die obere Schale ein oder mehrere Luftlöcher.

Es empfiehlt sich, die Brustwarzenformer anfangs 10 Minuten und später bis zu 8 Stunden täglich einzulegen. Durch den Druck auf den Warzenhof kommen die Brustwarzen durch die Öffnung und werden so darauf trainiert, stärker hervorzutreten. Die Brustschilder können auch während der Stillzeit getragen werden.

 

Niplette

Eine neuere und wirksame Methode zur Behandlung von Flach- und Hohlwarzen, ist die Niplette. Durch eine sanfte Saugwirkung werden die verkürzten Milchgänge vorsichtig gedehnt, um eine Korrektur der flachen Warzen zu bewirken. Die Niplette besteht aus einem durchsichtigen Brustwarzenformteil mit einem kleinen Schlauch.

Dieser Teil wird auf die eingezogene Warze gesetzt. Anschließend wird mit einer kleinen Saugpumpe die Luft aus der Form abgesaugt. Damit soll die Warze in die richtige Form gebracht werden. Es empfiehlt sich, die Niplette zwei bis drei Wochen lang im BH, ca. 8 Stunden (Tag oder Nacht) zu tragen, danach sollte sie nur gelegentlich verwendet werden.

 

Stillhütchen

Bei ungünstiger Brustwarzenform werden häufig auch Stillhütchen (Brust- oder Saughütchen genannt) getragen. Diese Stillhütchen bestehen aus Silikon, Gummi oder Latex und werden auf die Brustwarze gelegt. Beim Stillen trinkt das Baby durch diese Hütchen wie durch einen Sauger. Bei der Nutzung von Stillhütchen könnte manchmal der Milchflussreflex gestört werden, da die Brust nicht durch Hautkontakt stimuliert wird, deswegen tritt bei einigen Babys Saugverwirrung oder Veränderung des Saugrhythmus auf.

 

Pflege von Flach- und Hohlwarzen

 

  • Pflegender Multi-Mam Brustwarzenbalsam: Der Multi-Mam Balsam basiert auf pflanzlichen Ölen und schützt die Brustwarzen vor und während des Stillens, da er die Haut weich und geschmeidig hält. Der Balsam eignet sich für die Pflege von trockenen und sensiblen Brustwarzen, ist nicht klebrig und hat weder Geschmack noch Geruch auf der Haut.
  • Atmungsaktive Stilleinlagen LilyPadz: Eine weitere Methode zur Pflege von Brustwarzen sind die atmungsaktiven, wiederverwendbaren Stilleinlagen LilyPadz. Flach-und Hohlwarzen brauchen zusätzlich frische Luft, deswegen eignen sich LilyPadz hier sehr gut. Sie sind nicht-absorbierend und bestehen aus einem weichen und atmungsaktiven Silikon. LilyPadz schützen vor auslaufender Muttermilch und gewährleisten eine gute Belüftung der Brust. Sie fühlen sich an wie eine zweite Haut über Ihrer Brust, bleiben unter Ihrer Kleidung unsichtbar, diskret und verrutschen nicht.
  • Warzen trockenhalten: Lassen Sie Muttermilch und Speichel des Babys nach dem Stillen antrocknen. Sonnenlicht, Lüftung sowie Stilleinlagen aus Seide und Wolle unterstützten den Heilungsprozess. Sobald die Stilleinlagen feucht oder nass sind, wechseln Sie diese sofort, sonst entsteht ein feuchtes Milieu für Keime und Bakterien.
  • Flache Warzen schlupfen anfangs nach dem Stillen häufig zurück bzw. werden von der Kleidung zusammengedrückt. Dadurch können Schrunden zwischen Warze und Warzenhof entstehen.
  • Flach- und Hohlwarzen nicht mit Seife oder alkoholischen Desinfektionsmitteln waschen und abspülen, denn das macht die Haut trocken und rissig.
  • Reißen Sie das Baby zum Ende der Stillmahlzeit nicht von der Brust, sondern führen Sie vorsichtig den kleinen Finger zwischen die Zahnleisten des Kindes.

 

Links, die Sie interessieren könnten:
Quellen:
Ardo Medical Ratgeber (2014): http://www.ardomedical.de/ratgeber.html
Höfer, Silvia (2012):Hebammen-Gesundheitswissen: Für Schwangerschaft, Geburt und die Zeit danach. Gräfe und Unzer Verlag.
Lothrop, Hannah (2000): Das Stillbuch. Kösel-Verlag, München.
Reich-Schottky, Utta (2010):Stillen & Stillprobleme. Ferdinand Enke Verlag Stuttgart.
Stiefel, Andrea & Geist, Christine & Harder, Ulrike (2013): Hebammenkunde. Lehrbuch für Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Beruf. Hippokrates Verlag Stuttgart