Tipps zur Brustentleerung & Anregung des Milchspendereflexes

Wann und warum sollte ich die Brust entleeren?

Muttermilch abpumpen entlastet die Brust. Bild: ©Ardo medical GmbH

Während der Stillzeit kann es aus verschiedenen Gründen notwendig sein, dass Sie Milch aus Ihrer Brust abpumpen wollen oder müssen. Eine gute Entleerung der Brust ist der beste Anreiz für die Nachbildung der Muttermilch.

Muttermilch abpumpen bzw. die Brust entleeren dient der Anregung der Laktation oder dem Sammeln von Milch, die dann dem Baby zur Verfügung steht. Das Abpumpen der Muttermilch fördert die Milchbildung generell besser als das Ausstreichen mit der Hand. 

Es gibt verschiedene Methoden, um die Brust zu entleeren:

1) von Hand ausstreichen 

2) mit einer Handpumpe

3) mit einer elektrischen Pumpe

 

Mögliche Gründe und Situationen für die Brustentleerung:

  • bei Frühgeborenen und Babys, die saugschwach oder krank sind
  • wenn die Mutter erkrankt ist oder die Milchbildung zu gering ist.
  • wenn Sie eine begrenzte Menge Muttermilch als Vorrat sammeln wollen, z.B. wenn Sie ohne Baby außer Haus oder vorübergehend voneinander getrennt sind.
  • bei einer (kurzfristigen) Stillunterbrechung, z.B. bei nicht stillverträglicher Medikamenteneinnahme.
  • wenn das Anlegen des Babys nicht möglich ist, weil die Brüste zu voll sind. Die Entleerung entlastet Ihre Brust.
  • wenn die Mutter unter Milchstau und Brustschmerzen leidet.
  • wenn das Saugen/Trinken des Babys wegen wunden und rissigen Brustwarzen schmerzt.
  • wenn Sie vorhaben, drei bis vier Stunden von Ihrem voll gestillten Baby getrennt zu sein.
  • wenn Sie berufstätig sind und Ihr Baby von einer Betreuungsperson mit Muttermilch gefüttert werden soll.

 

Wie häufig muss die Brust entleert werden?

Die Häufigkeit der Brustentleerung von Hand oder mithilfe einer Pumpe hängt von den individuellen Situationen und persönlichen Bedürfnissen der Mutter und des Kindes ab.

Zur Anregung der Milchbildung ist es ratsam, tagsüber alle 2-3 Stunden Milch abzupumpen. In der Nacht können Sie die Pump-Pausen verlängern.

Um die Milchproduktion wie gewohnt aufrechtzuerhalten, sollten Sie im gleichen Rhythmus abpumpen bzw. die Brust entleeren, wie Sie das Baby normalerweise stillen würden (etwa alle 3-4 Stunden).

Um Muttermilch auf Vorrat zu gewinnen, pumpen Sie die gewünschte Menge nach dem letzten Stillvorgang ab, wenn ca. ein Drittel der Intervallzeit vergangen ist: Bei einem Stillrhythmus von 3 Stunden entleeren Sie die Brust ca. 1 Stunde nach dem letzten Stillen. So kann Ihr Körper genug Milch bis zur nächsten Mahlzeit produzieren. Die Milch auf Vorrat können Sie entweder durch Ausdrücken von Hand oder alternativ und schneller durch Abpumpen mit einer elektrischen Milchpumpe gewinnen.

Bei einer kurzen Trennung von Mutter und Kind wird empfohlen, am Tag davor ein- bis zweimal zu pumpen oder ein- bis zweimal im Laufe des Tages, an dem Sie nicht bei Ihrem Baby sind.

Bei regelmäßiger längerer Abwesenheit ist es sinnvoll, genügend Milchmenge für den geplanten Zeitraum abzupumpen. So wird Ihr Baby gut mit Muttermilch versorgt.

 

Tipps & Tricks zur leichten Anregung des Milchspendereflexes

  • Um sich bei der Brustentleerung wohlzufühlen, schaffen Sie eine entspannte und gemütliche Atmosphäre.
  • Legen Sie Wärmekissen und Kompressen auf die Brust oder lassen Sie sich von Ihrem Partner massieren. Eine Rückenmassage z.B. eignet sich auch sehr gut.
  • Eine sanfte Massage unter der warmen Dusche entspannt die Brüste.
  • Stimulieren Sie Ihre Mamillen leicht durch sanftes Rollen zwischen den Fingern.
  • Entspannen Sie sich und stellen Sie sich vor, wie Sie das Baby stillen oder die Milch fließt. Wenn Sie vom Kind getrennt sind, kann ein Foto oder ein Kleidungsstück des Babys helfen.
  • Stellen Sie sich ein warmes Getränk oder etwas zum Trinken in Reichweite.
  • Auch Stillen und Brustentleerung müssen erst gelernt werden: Deswegen ist Unterstützung von der Hebamme, dem Partner, der Stillberaterin und der Familie sehr hilfreich.
  • Die Verwendung eines Doppelpumpsets beim Entleeren der Brust mit elektrischer Pumpe regt die Milchbildung schneller und effizienter an als z.B. das Handausstreichen.

 

Wichtige Hygienemaßnahmen bei der Brustentleerung

Damit Muttermilch nicht mit schädlichen Keimen infiziert wird, besonders bei Frühgeborenen und kranken Babys, ist es wichtig, folgende Regeln zu beachten:

  • Duschen Sie sich täglich. Spülen Sie die Brust (ohne Seife und Lappen) nicht mit aggressiven Duschgels, tupfen Sie die Brust mit einem Einmalhandtuch ab oder lassen Sie sie an der Luft trocken.
  • Waschen Sie Hände und Fingernägel gründlich mit Wasser und Seife, bevor Sie mit dem Abpumpen anfangen.
  • Falls Sie Stilleinlagen verwenden, wechseln Sie sie häufig.
  • Verwenden Sie ausschließlich sterile Behälter und Flaschen.
  • Verwerfen Sie die ersten Tropfen Muttermilch, weil sie Keime aufweisen können.
  • Verwerten Sie die gewonnene Muttermilch sofort oder bereiten sie Sie umgehend zur richtigen Aufbewahrung – kühlen oder einfrieren – vor.

 

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Quellen:
Dora, Schweitzer (2009): Stillen. TRIAS Verlag Stuttgart.
Dohmen, Barbara (2010): Baby-Ernährung: Stillen, Fläschchen, Breie: Richtig und gesund ernährt von 0 bis 2 Jahre. Georg Thieme Verlag
Harder, Ulrike (2011): Wochenbettbetreuung in der Klinik und zu Hause. Hippokrates Verlag
Muß, Karin (2005): Stillberatung und Stillförderung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
Schlatter, Chantal (2013): Stillen neu entdeckt. tredition Verlag Hamburg
Stiefel, Andrea & Geist, Christine & Harder, Ulrike (2013): Hebammenkunde. Lehrbuch für Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Beruf. Hippokrates Verlag Stuttgart