Geringe Milchbildung

Bekommt das Baby genug Milch?

Ursachen für mangelnde Milchbildung können auch ein zu enger BH und wunde Brustwarzen sein. Bild: ©Marcito - Fotolia.com.jpg

Habe ich genügend Milch, um mein Baby ausreichend ernähren zu können? Wird mein Kind satt? Bilde ich ausreichend Muttermilch? Viele Mütter glauben fest daran, dass sie zu wenig Milch (geringe Laktation) haben, obwohl sie genügend Milch bilden.

Dies betrifft vor allem die Ernährung in den ersten Wochen und Monaten, z.B. wenn der Milchspendereflex nicht sehr stark ist. Dadurch entsteht eine Stresssituation, die dann tatsächlich Stillprobleme auslösen kann wie frühes Abstillen oder Zufüttern. In diesem Fall ist es ratsam, die Situation mit Ihrer Hebamme oder dem Arzt zu besprechen.

 

1. Mögliche Gründe für die geringe Laktation (Milchmangel)

Die Gründe, warum möglicherweise zu wenig Milch gebildet wird, sind sehr vielfältig, deswegen ist es sinnvoll im Zweifelsfall, Rat einzuholen. Ursachen für mangelnde Milchbildung sind:

  • zu enger BH
  • wunde und verletzte Brustwarzen
  • hormonelle Störungen (Östrogene, Diuretika) sowie Alkohol, Rauchen, Drogen
  • Stress, Krankheit, Sorgen und Ängste hemmen die Milchbildung
  • Brustoperation: Nach einer Brustoperation ist ein verzögerter Milcheinschuss oder eine langsam steigende Milchproduktion typisch. 
  • Physische Überlastung, extremer Schlafmangel, unzureichende Ernährung und emotionale Probleme können die Milchbildung negativ beeinflussen.
  • Nicht korrektes Anlegen: Wird das Baby zu selten oder nicht korrekt angelegt, kann es auch nicht effizient saugen, deswegen wird die Milchproduktion nicht optimal angeregt.

Eine weitere Ursache ist die unzureichende Aufklärung sowie eine Fehlinterpretation durch die Mutter.

  • Eine weiche Brust vor dem Stillen wird von Müttern häufig dahingehend falsch interpretiert, dass sie nicht genügend Milch bildet. Da jedoch der größte Teil der Muttermilch erst während des Saugens bzw. Trinkens gebildet wird, schwillt das Drüsengewebe nicht mehr so stark an.
  • Das Neugeborene möchte sehr häufig gestillt werden.
  • Das Baby trinkt an der Brust schneller oder langsamer als sonst.
  • Die Stillmahlzeiten sind nur von kurzer Dauer.
  • Das Kind ist sehr unruhig, weint viel und schläft wenig. Auch Blähungen (Dreimonatskoliken) und Zahnungsbeschwerden können dazu führen, dass ein Säugling viel weint und unzufrieden ist.
  • Das Baby möchte in der Nacht gestillt werden.
  • Es lässt sich keine oder sehr wenig Milch ausstreichen bzw. abpumpen. Besonders wenn erstmalig abgepumpt wird, ist die Brust noch nicht vorbereitet. Deswegen ist es wichtig auf die Qualität der Milchpumpe (elektrische oder Handmilchpumpe) zu achten.
  • Die Gewichtszunahme des Babys ist ein gutes Zeichen für eine ausreichende Milchmenge der Mutter.

 

2. Wachstumsschübe

Es gibt bestimmte Perioden, wo sich der Stillrhythmus ändern kann. Dann möchten fast alle Babys vermehrt an der Brust trinken: dies betrifft das Alter zwischen 2 und 3 Wochen, mit 6 Wochen und dann nochmals mit 3 Monaten.

In diesen Phasen finden die genannten Wachstumsschübe statt, deswegen benötigen die Neugeborenen mehr Milch bzw. Nahrung. Außerdem trinken sie länger und unruhiger als gewöhnlich. Daraus ergibt sich, eine erhöhte Nachfrage d.h. die Babys wollen öfter gestillt und angelegt werden, womit sie die Milchproduktion anregen. Einige Kinder möchten 8-10 Stillmahlzeiten. Stillen alle 2-3 Stunden ist dann ganz normal.

Eine tatsächliche geringe Laktation muss behandelt werden. Ein echter Milchmangel tritt bei folgenden Symptomen auf:

  • Apathie
  • schlaffer Tonus
  • Gewichtsabnahme des Babys um mehr als 10% seines Geburtsgewichts (eine Gewichtsabnahme zwischen 5-10% in den ersten Lebenstagen muss kritisch beobachtet werden)
  • Schleppende oder fehlende Gewichtszunahme beim Baby
  • Stuhlgang selten und wenig (in den ersten Tagen ist ein täglicher Stuhlgang normal)
  • Weniger als 5 nasse Windeln am Tag (Eine deutlich reduzierte Urinmenge ist ein spätes Zeichen einer geringen Milchproduktion)

 

3. Faktoren für eine ausreichende Milchproduktion

Das Kind trinkt idealerweise von beiden Brüsten und bestimmt selbst die Stilldauer. Die Brust fühlt sich nach dem Stillen weicher an. In den ersten Lebenswochen trinken Babys 8 bis 12 Mal in 24 Stunden oder noch öfter. Passen Sie auf eine richtige Stillhaltung auf, denn nur ein korrekt angelegtes Kind kann effizient trinken.

Dem Kind sollten gerade zu Beginn möglichst kein Wasser, Tee, Schnuller oder Beikost angeboten werden, denn all das wirkt sich eher negativ auf seinen Appetit aus und verändert das Trinkverhalten.

Mehrmaliges Wechseln der Seiten während des Stillens regt auch die Milchbildung an. Wenn Ihr Baby beim Trinken und Schlucken langsamer wird, wechseln Sie die Seite. Wiederholen Sie den Wechsel, bis Ihr Kind zufrieden ist und genug getrunken hat.

Brustmassagen, eine warme Dusche, eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, gesunde Ernährung und Entspannung fördern die Milchbildung.

 

Links, die Sie interessieren könnten:

Quellen:
Deutscher Hebammenverband (2012): Praxisbuch: Besondere Stillsituationen. Hippokrates Verlag.
Harder, Ulrike & Friedrich, Jule (2015): Wochenbettbetreuung in der Klinik und zu Hause. MVS Medizinverlage Stuttgart.
Muß, Karin (2005): Stillberatung und Stillförderung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
Schlatter, Chantal (2014): Stillen neu entdeckt. Tredition Verlag Hamburg.
Stiefel, Andrea & Geist, Christine & Harder, Ulrike (2013): Hebammenkunde. Lehrbuch für Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Beruf. Hippokrates Verlag. Stuttgart.